Tipps

Wir ernten, was wir säen

Für mehr Vielfalt im eigenen Garten und für preisgünstiges Blühen ohne Spritzmittel empfiehlt sich das Vermehren von eigenem Saatgut und das Teilen von Stauden. Hierzu ein paar Tipps - auch zur Vorbereitung für unsere erste Holm-Seppensener Stauden- und Saat-Tauschbörse.
Die Samenstände von verblühten Blumen am Besten an sonnigen windstillen Tagen um die Mittagszeit schneiden (der Morgentau ist verdunstet). Reif sind die Fruchtstände, wenn sie bräunlich verfärbt sind und das ist wichtig, denn nur ausgereifte Samen können auch im nächsten Jahr keimen. Die Samen über einer Zeitung ausschütteln und erst wenn sie wirklich absolut trocken sind in kleine Papiertütchen füllen. Diese können mit der Sorte und dem Erntedatum beschriftet werden. Wenn man die Samen in Gläser füllen möchte, empfiehlt es sich etwas Papier mit dazu zu tun, damit dieses die Restfeuchte aufnehmen kann.

Stauden teilen ist gut für die Wüchsigkeit der Pflanzen. Der Austrieb wird angeregt und es entstehen viele neue Blüten. Im Frühjahr blühende Stauden kann man sehr gut im Herbst teilen, die Spätsommer- und Herbstblüher lieber im Frühjahr teilen. Dazu den Wurzelballen vorsichtig ausgraben. Manche Stauden kann man mit den Händen einfach auseinanderzuppeln, andere mit dem Spaten oder einem Messer in Teile schneiden. Sollte der Mittelteil verholzt sein, einfach auf dem Kompost entsorgen. Nach dem Eingraben ordentlich wässern.
Wenn dann der Standort noch stimmt, steht der neuen schönen Blütenpracht nichts im Wege.

 

Der Feind in meinem Garten - Augen auf beim Pflanzenkauf!

Vor einiger Zeit las ich in dem wunderbaren Buch „Wildbienenhelfer“ von Anja Eder, dass die Intention für das Schreiben dieses Buches die Tatsache war, dass Sie nach Kauf einer Baumarktpflanze beobachtete, wie Bienen nach Besuch dieser Pflanze die Orientierung verloren. Naja, dachte ich – das ist vielleicht etwas übertrieben. Dann beobachtete ich aber letztes Jahr im eigenen Garten völlig paralysierte Hummeln und Bienen an frisch gepflanzten Sonnenhut-Stauden und kam mächtig ins Grübeln, was eigentlich so in den Gärtnereien, auf dem Großmarkt, in den Bau- und Pflanzenmärkten angeboten wird. Und dann musste ich Mitte Juli mit ansehen, wie das Selbstpflücker-Blumenfeld in Holm-Seppensen einer Dusche unterzogen wurde. Ich warte immer noch auf die Rückmeldung von Herrn Eickhoff, den ich natürlich um Aufklärung gebeten habe, was sich dort "biologisch voll Abbaubares" im Tank befunden hat.

 

Leider ist dies wohl Fakt: Die allermeisten Pflanzen sind mit Hilfe von umweltschädigenden Pestiziden angezogen. Denn was für Gemüse und Obst gilt, gilt auch für Pflanzen: sie müssen perfekt aussehen: volle Blüte und zwar zum Zeitpunkt des Kaufes, fleckenfreie Blätter, satte Farben, kräftige Stengel. Andernfalls landen sie im Müll.
Nachlesen kann man das sehr gut im Buch „Wilderness Gardening“ von Dave Goulson, der sich diese Frage auch gestellt und wissenschaftlich untersuchen lassen hat. Die Ergebnisse waren deprimierend. Die meisten Pflanzen enthielten Rückstände von einem ganzen Pestizig-Cocktail, meist ein Mix aus Fungi- und Insektiziden, 70% der Pflanzen enthielten Neonicotinoide, die als besonders bienenschädlich und für ihre lange Verweildauer in der Umwelt bekannt sind.
Und das ist ja noch nicht das Ende der Fahnenstange. Neben dem Einsatz von Pestiziden werden viele Pflanzen in fernen Ländern ohne fehlende Schutzkleidung für die ArbeiterInnen, mit niedrigen Löhnen und miesen Arbeitsbedingungen herangezogen, um dann im Flieger um die halbe Welt gekarrt zu werden. Fakt ist: Für Zierpflanzen wie auch für Schnittblumen gibt es keine Grenzwerte für den Einsatz von Pestiziden. Als "bienenfreundlich" verkaufte Pflanzen strotzten in der Regel von Pestiziden. Na dann, Prost Mahlzeit.
Und dann nervt diese Schwemme von Plastiktöpfen, mit denen man kaum was anderes machen kann, als sie wegzuwerfen, unendlich. Ehrlich – ich mag das nicht mehr unterstützen.

Was kann man tun?

  • Den Kauf von Schnittblumen weitestgehend einschränken, außer beim Händler des Vertrauens.
  • Selber pflücken auf hoffentlich ungespritzten Wiesen oder im eigenen Garten. 
  • Pflanzen möglichst beim Bio-Produzenten kaufen. Fragen, ob die Pflanzen gespritzt sind. Fragen, fragen, fragen.
  • Auf exotische nicht standortgerechte Pflanzen verzichten. Spart Geld und ist nicht so frustrierend. Pflanzen suchen sich den Platz, an dem sie sein wollen gerne selber aus. So wie wir Menschen ja auch. 
  • Pflanzen retten: meine „Babyklappe“ für nicht mehr gewollte Zwiebeln oder Stauden hat sich gut bewährt. Was ich im letzten Jahr alles geschenkt und weiterverschenkt habe, ist beachtlich! Also - Ableger tauschen. Samen einsammeln, eintüten, weitergeben oder selber ziehen.
    Die Entdeckung der Langsamkeit!!