Offener Brief

 

 

 

Sehr geehrter Herr Röhse,

 

 

 

Heute, am 20. Mai ist Weltbienentag, gefolgt vom internationalen Tag der Artenvielfalt nur zwei Tage später. Das Thema „Insektensterben“ bzw. „Verlust der Biodiversität“ ist mittlerweile ins Bewusstsein der meisten Menschen gerückt und als eines der großen Dramen unserer Zeit erkannt. Aber es braucht nicht nur bienenfleißige Bürger sondern auch mutige, entschlossene Politiker, die bereit sind neue Wege zu gehen und wirklich etwas für den Erhalt der Natur und damit unserer Lebensgrundlage zu tun.

 

 

 

Viele gute und inhaltlich nicht schwierig umzusetzende Vorschläge und Eingaben der Umweltverbände und Parteien sind in den letzten Jahren ungehört geblieben. Aber es gibt Hoffnung. Im Raum Buchholz engagieren sich seit einiger Zeit mit enormen Aufwand an Zeit, Energie, Muskelschmalz aber auch Spaß einige ehrenamtlichen Organisationen sowie Projekten an Schulen und Einrichtungen, die versuchen Bienen und anderen Insekten eine Stimme zu geben. Und das mit Erfolg. Viele Menschen konnten durch den direkten Vor-Ort-Bezug begeistert und zum Mitmachen bewegt werden.

 

Die Buchholzer Bürger wünschen sich eine naturnahe und gesunde Umwelt und Stadt; das ist z.B. über das ISEK-Verfahren sehr deutlich geworden. Die Zeit ist reif für einen Wandel – das zeigt uns auch das „Volksbegehren Artenvielfalt“ in Bayern. 1,75 Millionen Menschen sind dafür persönlich in ihre Rathäuser gegangen und dieses Thema ist in den Medien weltweit täglich präsent.

 

 

 

Aber auch wir in Buchholz können gemeinsam eine Menge mehr bewirken. Sie selbst haben letztes Jahr dem NDR in einem Interview gesagt „Bienen haben Priorität“.

 

 

 

Wir, die Initiativen und Ehrenamtlichen, die sich dem Thema „Insektenschutz“ verschrieben haben, sehen durchaus den Willen und den guten Ansatz der Stadt uns in unserem Vorhaben zu unterstützen, wünschen uns von der Stadt Buchholz jedoch diesbezüglich ein deutlicheres Bekenntnis und Engagement. Die Stadt Buchholz hat unserer Meinung nach eine klare Vorbildfunktion und sollte wichtige Impulse an die Bürger geben. Wer unser Ökosystem als Existenzgrundlage erhalten will, sollte für die Natur mehr als nur ein Taschengeld bereitstellen und Umweltaspekten bei der Planung den notwendigen Raum geben. Buchholz kann nicht ins Unermessliche wachsen; wir müssen mehr zum Erhalt unser aller Lebensgrundlage tun und die Investitionen in dieselbige deutlich erhöhen.

 

 

 

2012 ist die Stadt Buchholz mit der Unterzeichnung einer Deklaration dem Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ beigetreten und damit eine Art Selbstverpflichtung eingegangen. Darüber freuen wir uns sehr. Oft ist die Akzeptanz naturnah gestalteter Flächen in der Bürgerschaft jedoch ein großes Problem. Dieses Thema kann die Abteilung Stadtgrün allein nicht meistern. Es braucht jemanden, der all die aus unserer Sicht notwendigen Schritte lenkt / koordiniert. Sonst versandet die schönste Idee im Beton der zunehmenden Flächenversiegelung. Daher wünschen wir uns von der Stadt Buchholz:

 

 

 

·         Benennung eines Ansprechpartners und Verantwortlichen „Umweltschutz“

 

·         Einstellung von Mitarbeitern im Bereich Arten- und Umweltschutz als bürgernahe Ansprechpartner für Kindereinrichtungen, Bewohner, Landwirte, Waldpächter, etc. (z.B. über ein Freiwilliges ökologisches Jahr)

 

·         Einbindung, Schulung und Verpflichtung der Bauhofmitarbeiter zu einem ökologischen Grünflächenmanagement. Das bedeutet z.B.
- Reduktion der Schnittfrequenz (bestenfalls nur einmal jährlich im Herbst) mit konsequenter Abfuhr des Schnittgutes
- weitestgehender Verzicht auf Pestizide und Düngung
- Straßenbegleitgrün als ökologisches Potenzial nutzen

 

·         Ausschließliche Verwendung von heimischen und gebietsspezifischen Arten auf naturnahen Flächen und Naturerlebnisräumen im Siedlungsbereich

 

·         Wir fordern eine verständliche Erklärung, warum sich gegen die Begrünung / Bepflanzung von Regenrückhaltebecken gesperrt wird.

 

·         Reduzierung von Lichtverschmutzung durch die Umrüstung sämtlicher Straßenlaternen auf energiesparende und insektenfreundliche Amber LED Lampen

 

·         Konsequenter Schutz von bestehenden Naturschutzgebieten und naturnahen Flächen

 

·         Konsequente Umsetzung der in den Bebauungsplänen festgeschriebenen Vorgaben zur Versiegelung / Bepflanzung

 

·         Offenlegung der „Karte für Blühinseln“ mit dem Ziel der konsequenten und kontinuierlichen Erweiterung und Pflege

 

·         Umsetzung der durch die CDU vorgestellte Teilnahme am Projekt „BienenBlütenReich“ des Netzwerkes Blühende Landschaft

 

·         Umsetzung der geplanten Begrünungsvorhaben auf den Buchholzer Friedhöfen

 

Es gibt viel zu tun. Setzen Sie sich mit uns an einen Tisch und lassen Sie uns daran arbeiten, dass die Stadt Buchholz mit Recht und Fug von sich behaupten kann,

 

eine „Insektenfreundliche Stadt Buchholz“ zu sein.

 

 

 

 

 

Bärbel Schmidt                                              Cornelia Cornels-Selke
für „Die Bienenbotschafter“                           für „Eine Wiesenpatenschaft“

 

 

 

 

 

Monika Köster-Zahlten
für „Unsere Dörfer für Bienen und Insekten“           

 

Artikel im Winsener Anzeiger vom 29.5.2019