Die Spiele haben begonnen

11.07.2020
Seit Ende Mai sind Dirk, Irene und Sabine auf wissenschaftlicher Exkursion. Ohne Fangnetz aber mit höchst wachsamem Blick und gemessenen Schrittes wandeln sie wöchentlich über unsere Wiese am Tostedter Weg und versuchen sich an einer Tagfalter-Zählung. "Die Biester wollen ja nicht stillsitzen" (Fotos: Wikipedia), ist die gängige Meinung. Nichtsdestotrotz wird weitergemacht und die Zähldaten werden nun regelmäßig an das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung gemeldet. Hier geht es nicht darum, wer am meisten Schmetterlinge anlockt sondern um eine realistische Darstellung des Ist-Zustandes und der ist eher zum Heulen und Zähneklappern. 
Eine Infotafel für dieses Projekt ist in Arbeit (die Illustration macht Jurij, der auch schon unser tolles Bienenbotschafter-Logo gestaltet hat) und wir werden in einem gesonderten Flyer, der in unsere Infoboxen kommen soll, auf die dramatische Situation unser Tag- aber auch unserer Nachtfalter hinweisen. Natürlich mit praxisnahen Tipps, was man selber für diese wunderschönen Geschöpfe tun kann.

So - und wer jetzt gedacht hat: "Juhu, erkenn ich: ein Zitronenfalter, aber ich hab schon einige Zeit keinen mehr gesehen", der merke auf:

Zitronenfalter befinden sich zur Zeit im Urlaub, quasi. Die heißen Sommermonate (wo es sie denn gibt) verbringen die Falter in Verstecken und ruhen sich aus. Später im Jahr kommen sie dann wieder hervor bis zum Winter, den sie - mit Frostschutzmittel in den Flügeln - relativ ungeschützt im Freien verbringen. Schmetterlinge sind wirklich spannend. 
Bisher gesichtete Schmetterlinge in der abgebildeten Reihenfolge: Zitronenfalter (männlich), Kleiner Kohlweißling, Kleiner Feuerfalter, Hauhechel-Bläuling, Schornsteinfeger, Kleines Wiesenvögelchen.

Citizen Science - wir sind dabei

Das ist ein Buchen-Streckfuß, wie ich nach ewig langer Recherche herausbekommen habe. Dieses Insekt habe ich vorher noch nie gesehen; ist aber einer der häufigsten Nachtfalter, die es gibt. Überhaupt sind die meisten der ca. 3700 Schmetterlingsarten in Deutschland Nachtfalter und leben im Verborgenen. Dieser hübsche Gesell,  mit genauso behaarten Beinen , wie die der deutschen Torwartfrau Nadine Angerer bei der WM 2011 habe ich auch nur zu Gesicht bekommen, weil er sich an der Nachts dauerhaft brennenden Außenbeleuchtung unserer Nachbarn abgearbeitet hat. Nördlich der Alpen gibt es ca. 140 Tagfalter; bei uns in Niedersachsen sicher noch mal deutlich weniger. Die Bindung der Falter an nektarspendende Blütenpflanzen ist eine Sache, aber viel wichtiger ist, dass die Raupen oft ganz bestimmte Wirtspflanzen brauchen. Das klassische Problem: Sommerflieder hübsch, Brennnesseln doof. Aber ohne Brenesseln kein Admiral, kein Kleiner Fuchs, kein Tagpfauenauge. Über 50 Schmetterlingsarten legen an Brennesseln ihre Eier ab.

 

 

 

Wir wollen den Tagfaltern auf die Flügel gucken und haben unsere Wiese am Tostedter Weg offiziell beim Tagfalter-Monitoring-Projekt angemeldet. Damit nehmen wir Teil an einer durch freiwillige Helfer durchgeführten Dokumentation / Zählung von Schmetterlingen über einen bestimmten Zeitraum, um die Entwicklung der Populationen festzuhalten. Schmetterlinge sind schwer zu bestimmen, weil sie meist wegflattern, wenn sich jemand mit großen Augen nähert. Einen Kescher wollen wir nicht verwenden, sondern nur Handykamera, Fernglas und Bestimmungsbuch. Da Tagfalter als wichtige Indikatoren der Biodiversität gelten, können die gewonnenen Ergebnisse auch über andere Artengruppen Aufschluss geben.

 

Wir werden euch auf dem Laufenden halten. Wir starten in der letzten Maiwoche und führen die Zählung bis in den September hinein durch.